Forschungsprofil des Instituts

Das Institut für Chemie der Universität Potsdam deckt den gesamten Bereich der chemischen Lehre und Forschung ab. Das Institut gliedert sich in die Bereiche Anorganische, Organische, Physikalische, Theoretische, Kolloid- und Polymerchemie. Das Institut ist aktiv an den beiden Profilbereichen „Soft Matter – Weiche Materie“ und „Life Sciences – Lebenswissenschaften“ der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät beteiligt. Ein weiterer Schwerpunkt des Institutes ist die nachhaltige Chemie, die seit 2007 mittels einer Landesgraduiertenschule am Institut etabliert ist. Die Forschungsgruppen des Institutes für Chemie sind an der Universität, aber auch mit den angrenzenden ausseruniversitären Forschungseinrichtungen der Max-Planck und Fraunhofer-Gesellschaft, den Berliner Universitäten, sowie national und international hervorragend vernetzt.

Die Arbeitsgruppen der Anorganischen Chemie (Holdt, Schilde, Taubert) befassen sich mit der Synthese, Charakterisierung, den Eigenschaften und Anwendung von Koordinationsverbindungen, porösen Gerüstverbindungen und organisch-anorganischen Hybridmaterialien. Weitere Themen sind die Extraktion und Wiederverwertung von Schwermetallen aus unterschiedlichen Medien wie Brennstoffzellen, die Herstellung und Anwendung von Siliziumcarbid aus nachwachsenden Rohstoffen, sowie die Untersuchung neuer Materialien auf der Basis ionischer Flüssigkeiten.

Die Arbeitsgruppen der Organischen und Analytischen Chemie (Möller, Linker, Schmidt, Wessig) synthetisieren komplexe biologische Moleküle oder deren Untereinheiten, entwickeln neue Katalysatoren und klären Reaktionsmechanismen auf oder befassen sich mit der Synthese gänzlich neuartiger Moleküle, deren Eigenschaften und Anwendungen, z.B. als Sonde in Zellmembranen. Weitere Themen sind die Singulett-Sauerstoffchemie, die präparative Photochemie, Synthese und Eigenschaften molekularer Stäbe, Entwicklung neuer Fluoreszenzfarbstoffe und die nachhaltige organische Synthese, die sich mit nachwachsenden Rohstoffen und deren Umsetzung beschäftigt. Die analytische Chemie befasst sich insbesondere mit der Aufklärung der 3D-Strukturen von Biomakromolekülen, ihrer konformationellen Dynamik und der Untersuchung ihrer Wechselwirkungen mit Bindungspartnern.

Die Gruppen der Physikalischen und Theoretischen Chemie (Löhmannsröben, Kumke, Saalfrank) befassen sich insbesondere mit der optischen Spektroskopie, der Umweltanalytik und den damit einhergehenden photophysikalischen Prozessen. Die AG theoretische Chemie interessiert sich auch für Elementarprozesse und Katalyse, insbesondere für Prozesse an Oberflächen, sowie für die Methodenentwicklung.

Die Gruppen der Polymer- und Kolloidchemie (Schlaad, Koetz) bearbeiten Fragestellungen zu Polymerisationsmechanismen, biobasierten funktionalen Polymeren, Selbstassemblierung ("self-assembly"), bioinspirierten Polymerstrukturen und Kompositen, zur Bildung, Stabilität, und Modifikation von Mikroemulsionen und deren Eigenschaften.

Als Besonderheit kann die Universität Potsdam auf eine Vielzahl gemeinsamer Berufungen verweisen. Am Institut für Chemie existieren mit den Arbeitsgruppen Laschewsky (mit Fraunhofer IAP) und Lendlein (mit HZG Teltow) deren zwei. Beide Gruppen bearbeiten unterschiedliche Aspekte der Polymerchemie, insbesondere Fragestellungen im Zusammenhang mit der Herstellung und Anwendung neuartiger Polymere im technischen und im Biomaterialbereich.

Die Grenzen zwischen den Gebieten sind selbstverständlich fliessend und es existieren eine Vielzahl lokaler Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Arbeitsgruppen innerhalb der Chemie, aber auch z.B. mit Gruppen der Physik, der Biologie und Biochemie, den Geowissenschaften oder benachbarten Instituten der Max Planck- und Fraunhofer Gesellschaften. Ausserdem sind eine Reihe der obengenannten Aktivitäten Teil grösserer Verbundprojekte, z.B. Exzellenzcluster 314, Sonderforschungsbereiche 658 und 450, Schwerpunktprogramme 1093, 1145, 1191, 1362, EU Projekt FUNMIG, der Initiative GoFORSYS, diverser BMBF oder ProInno Projekte.

Das Institut für Chemie ist hervorragend ausgestattet und verfügt unter anderem über Einkristalldiffraktometer, ESR-Spektrometer, mehrere NMR und Massenspektrometer, Elektronenmikrosopie (inkl. Kryo-Elektronenmikroskopie), eine Vielzahl optischer Spektrometer (inkl. Lebensdauermessungen etc.), Lichstreuung, Rheologie sowie diverse Geräte zur Thermoanalyse (inkl. ein neues TG-MS Gerät). Daneben stehen auch Standardgeräte wie IR und UV/Vis Spektrometer oder GC-MS in grosser Zahl zur Verfügung. Das Institut verfügt weiterhin über eine eigene Werkstatt und Glasbläserei, wo auch Apparaturen nach spezifischen Anforderungen hergestellt werden können. Die umgebenden Institute sind in vielen Bereichen, z.B. der Röntgenstreuung, komplementär ausgestattet, so dass auch experimentelle Methoden, die am Institut selber nicht zugänglich sind, den Forschungsgruppen vor Ort in benachbarten Instituten zur Verfügung stehen.